Zum letzten Mal die eindrucksvolle Kulisse der Waldbühne auf der Moosegg geniessen. Sich auf das Zusammenspiel von Theater, Natur und von der Magie dieses Ortes einfangen lassen. Denn mit der letzte Aufführung am 15. August geht die Ära Freilichtspiele Moosegg nach 30 erfolgreichen Jahren zu Ende.
Hansjoggeli!
Mundartstück nach einer Erzählung von Jeremias Gotthelf, dramatisiert von Simon Gfeller, neu inszeniert von Simon Burkhalter.
Nein, ich habe keine Bedenken, den Namen von Simon Burkhalter auf die gleiche Linie wie die Namen von Gotthelf oder Gfeller zu stellen. Einmal mehr ist es ihm gelungen, ein von verschiedenen Volks- und Freilichtbühnen bekanntes Stück treffend neu zu inszenieren. Der ursprüngliche Gedanke geht dabei nicht verloren, wirkt durch die Theaterfassung von Burkhalter aktueller denn je.
Der Zuschauer tappt am Anfang im Dunkeln. Warum der grosse Auflauf von Vettern und Basen auf dem Nidlebode? Hier wo der ledige Chorrichter zusammen mit seinen beiden Patenkindern Bäbeli (Sarina Wälti) und Bänz (Stephan Stalder) seinen stattlichen Hof bewirtschaftet und ein gutes und getreues Leben führt.
Mehr und mehr plagen Hansjoggeli (Toni Bachmann) die Bresten des Alters. Er klagt nicht, ruhig und überlegt bereitet er sich auf seinen Abgang vor. Doch bevor er still und leise von dieser Welt abtritt, muss er sich die überschwenglichen Ratschläge und das Gezänk seiner vermeintlichen Erben anhören. Hier hört man immer wieder die Sprache Gotthelfs wenn sich die Vetter und Basen gegenseitig beschimpfen, wenn es böckelet, Gwundernasen und Gjäthäsen aufeinandertreffen, welche wie d’ Flöige ume Miststock surren.
Doch Hansjoggli hat vorgesorgt. Noch vor seiner Beerdigung soll das Testament eröffnet werden. Was seine «lieben» Verwandten nun zu hören bekommen passt diesen ganz und gar nicht. Mit einer Prise Schalk aber niemals verletzend begründet er sein Vermächtnis.
Bäbeli erbt den Hof, Bänz eine schöne Summe Geld. Auch hier hat der Verstorbene vorausgeschaut, denn erstens verbindet die beiden eine zarte Liebesbeziehung und zweitens kann Bäbeli den Nidlebode nicht allein führen. So geht aus der jungen Liebe ein Paar hervor, das den Nidlebode weiterführt, so wie sie es bei ihrem Götti gelernt haben, und so wie er es schon lange geplant hat. Wer ihm von seinen Verwandten aufrichtig gegenübertrat, bedachte er ebenfalls mit einem Erbteil, die andern gingen leer aus oder erhielten ihr entlehntes und wohl schon lange verputztes Geld, Stoffe, welche ebenfalls bereits aus dem Speicher entwendet wurden oder weitere «vorvererbte Gegenstände» als Erbe.
Das Stück wird begleitet von treffenden Gesangseinlagen aus dem «Röseligarte». Manchmal schalkhaft, dann wieder sehr stimmungsvoll und einfühlsam vorgetragen von Lorli und Resli, zwei Armenhäuslern (Sandra Leon, Roland Schaffer).
Weitere Infos und Spieldaten
Freilichtspiele Moosegg
02. Juli – 15. August 2026
freilichtspielemoosegg.ch
Text: Therese Sommer
Fotos: Simon Schwab