Simon Gneist - Holz in Form und Funktion


Vom Bootsbauer zum Möbelgestalter

Simon Gneist ist selbständiger Möbelgestalter und arbeitet in einer Werkstatt nahe dem Hauptbahnhof Burgdorf. Heute ist die Herstellung von Stühlen, Tischen und Regalen sein Metier. Erlernt hat der in Burgdorf wohnende Handwerker aber ursprünglich den Berufs des Bootsbauers, nachdem er seine Erstausbildung am ehemaligen Lehrerseminar abgeschlossen hatte.

 

In der lichtdurchfluteten Werkstatt steht ein kompletter Maschinenpark – alles, was ein Möbelgestalter so braucht. Auch einige Holzvorräte, die grösstenteils aus der Region stammen, lagern im Raum. Mittendrin steht Simon Gneist, Möbelgestalter und ehemaliger Bootsbauer. Wie kommt man vom Bootsbau zur Möbelgestaltung? «Möbel stelle ich seit ungefähr 15 Jahren her», erzählt Gneist. «Als ich noch als Bootsbauer am Genfersee arbeitete, erhielt ich aus meinem privaten Umfeld eine Anfrage, mehrere Möbelstücke aus Holz herzustellen. Ich durfte dazu kostenlos die Werkstatt meines damaligen Chefs benutzen. Daraus wurden immer mehr Aufträge, die ich jeweils abends und am Wochenende ausführte. So kam ich schliesslich zu meiner heutigen Tätigkeit.» 1997 kehrte Gneist in die Deutschschweiz zurück und richtete in Kirchberg seine erste eigene Werkstatt ein. Bevor er im Mai 2011 die heutigen Räumlichkeiten fand, arbeitete er rund zehn Jahre in einer alten Giesserei in Burgdorf Buchmatt.

Ein Preis sorgt für Anerkennung

Dass Simon Gneist formvollendete und funktionelle Massivholzmöbel herstellt, hat sich mittlerweile auch in der Fachwelt herumgesprochen: 2005 erhielt er für seinen Stuhl «Samba» den 1. Preis des Bern Design Awards BEDA 05. Wie hat sich diese Auszeichnung ausgewirkt? «Ich hatte damals nach der Nomination nicht wirklich mit einem Preis gerechnet», erzählt Gneist. «Als der dritte und der zweite Preis bereits vergeben waren, wollte ich mich langsam zum Bahnhof aufmachen – da wurde plötzlich mein Name gerufen!» Natürlich hätten das Preisgeld und die Anerkennung Glücksgefühle ausgelöst, fügt der Handwerker an. Doch ebenso klar gehe mit der Auszeichnung auch ein gewisser Druck einher. «Ich werde nun auch an diesem Erfolg gemessen», sagt er. Gerade hat der findige Holztüftler einen neuen Stuhl entwickelt. Dieser kann mit etwas weniger Aufwand hergestellt werden als der Vorgänger, und wird damit auch günstiger verkauft werden können. Im Showroom stehen mehrere Prototypen des neuen Modells, für welches bereits erste Bestellungen eingegangen sind.

Regionale Rohstoffe und hohe Qualitätsansprüche

Sein Arbeitsmotto umreisst Gneist folgendermassen: «Ich will Gebrauchsgegenstände mit einem hohen Anspruch ans Design herstellen, die langlebig und natürlich komfortabel sind.» Dass sich solche Möbel in der Qualität und auch im Preis von Ikea-Möbeln und ähnlichen Produkten unterscheiden, dürfte klar sein. So kostet ein von Simon Gneist hergestellter Massivholz-Tisch etwa 3000 Franken – abhängig von der verwendeten Holzsorte. Dafür erhält der Kunde ein sorgsam entwickeltes, eigenständiges und qualitativ hochwertiges Möbelstück aus Schweizer Holz. Der Möbelgestalter setzt auf kleine Kreisläufe und auch seine Kunden schätzen die regionale Herkunft des Holzes: «Der Stamm dort stammt vom Gsteig in Burgdorf und dieser Apfelbaum dort drüben stand hinter meiner ehemaligen Werkstatt in der Buchmatt», erklärt Simon Gneist. Ob es die schöne Erinnerung ist, die seine Augen dabei so strahlen lässt? Vielleicht ist es auch einfach die Vorfreude, aus diesem Holz bald ein weiteres kunstvolles Möbelstück zu erschaffen.

www.simongneist.ch

 

© Christian Bärtschi / Bärtschi-Texte

 

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