Schönschreiber Fritz Tschanz


Mit leichter Feder und ruhiger Hand


Der Schönschreiber beschreibt Briefkuverts in geschwungenen Lettern, entwirft kunstvolle Taufzettel und Etiketten für Wein- und Schnapsflaschen und gestaltet farbenprächtige Familienwappen und Stammbäume. Ab und zu arbeitet er auch im Auftrag von Einkaufscentern und kreiert Geschenketiketten für den Päcklitisch. Doch wer ist eigentlich der Mann, der in Halbleinen und mit Zipfelmütze auftritt?

 

Vielen ist er einfach als der «Schönschreiber» bekannt, der Briefschaften, Etiketten, Stammbäume etc. mit seiner Kunst verschönert. Doch Fritz Tschanz, der in Signau lebt und arbeitet, hat einiges zu erzählen. Der 54-Jährige lebt abgelegen auf einem Bauernhof in der Moosmatt bei Signau. «Wenn drei Autos pro Tag vorbeifahren, ist das schon viel», meint er dazu und grinst. Die Abgeschiedenheit ist ihm gerade recht, denn der Schönschreiber schätzt die Ruhe und wenig Ablenkung. Bis Anfang 2014 hat er sein kreatives Geschäft im Nebenerwerb betrieben. Hauptberuflich war er Bauer. Doch seit knapp einem Jahr setzt er ganz auf das Schönschreiben. Der zunehmende Publikumsandrang erforderte seine ganze Konzentration. Dazu muss man wissen, dass der Schönschreiber nicht nur national, sondern auch international tätig ist. Zusätzlich gibt er seit 23 Jahren Kalligraphie-Kurse an der Volkshochschule Langnau. «Die Teilnehmer kommen zum Teil von weit her, um meine Kurse zu verfolgen. Das ehrt mich sehr», meint Fritz Tschanz dazu.

Altes Wissen und Handwerk
Im Gespräch, welches in einem Berner Einkaufscenter geführt wird, wird schnell klar, dass der Schönschreiber absolut für seine Tätigkeit «brennt». Immer wieder kommen Passanten vorbei, die mehr über seine Tätigkeit wissen wollen. Tschanz gibt offen und vernügt Auskunft, zeigt Muster und erzählt Anekdoten. So erklärt er einer anderen Standbetreiberin in der Mall, wie man aus natürlichen Stoffen Tinte herstellen kann: Aus ausgekochten Schalen von Walnüssen entsteht zum Beispiel braune Tinte, aus so genannten Galläpfeln kann eine lichtechte, schwarze Tinte gewonnen werden. Tschanz hat auch ganz unterschiedliche Schreibgeräte um sich versammelt: Er schreibt unter anderem mit Bambusfedern, welche schon 3500 vor Christus eingesetzt wurden, setzt aber auch Vogelfedern ein, die er mit einem eigens modifizierten Schnitzmesser zurechtschneidet. «Die Federn müssen einfach von grossen Vögeln stammen», erklärt der Schönschreiber. Er verwendet meistens Truthahn-Federn. Im Einkaufscenter benutzt Tschanz herkömmliche Metallfedern, da die Luft für das Schreiben mit Vogelfedern zu trocken ist und die Tinte somit zu wenig gut fliesst.

Vom Bauer zum Schönschreiber
Schon als Schüler schrieb und zeichnete Fritz Tschanz fürs Leben gern. Gleich seitenweise habe er Papierbögen mit Buchstaben gefüllt, erinnert er sich. 1985 stiess er in einem Zeitungsartikel auf die Kalligraphie – die Kunst des schönen Schreibens. 1987 übernahm der Schönschreiber den elterlichen Bauernhof. Nebenher verfolgte er weiter die Kalligraphie im Selbststudium. 1989 stellte er erstmals seine Werke an einer Hobbyausstellung vor. «Ich war damals schon stolz, als ich eine einzige Visitenkarte abgeben konnte», erinnert er sich. 1990 nahm er bei der Kalligraphin Heidi Trachsel-Kurt ein paar Privatstunden, um sein Können weiter zu verfeinern. Ab 1988 führte Tschanz neben der Arbeit als Bauer auch Schönschreib-Aufträge aus, ab 1995 wurde die Kalligraphie zum wichtigen Nebenerwerb, den er vor allem in der kalten Jahreszeit ausübte. Zu Beginn des Jahres 2014 schliesslich gab Fritz Tschanz die Landwirtschaft auf, um sich ganz der Kalligraphie zu widmen. Heute führt er Aufträge für Privatkunden im In- und Ausland aus, arbeitet für Vereine, Behörden und Firmen, beispielsweise IWC oder Läderach Weibel AG, Thun. Natürlich ist der Schönschreiber auch regelmässig auf Märkten und an Ausstellungen anzutreffen, etwa auf dem Gotthelfmärit beim Freilichttheater im Hämeli in Signau oder an der BEA. «Ich schätze die zahlreichen spannenden Begegnungen mit Leuten, die ich ohne meine Tätigkeit als Schönschreiber wohl nie getroffen hätte. Zudem gefällt es mir, den Menschen mit meinem Tun Freude zu bereiten», erzählt Tschanz. Sprichts und widmet sich wieder seinen Geschenketiketten – mit flinker Hand und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Kontakt zum Schönschreiber: 034 497 14 13 / tschanzmoosmatt(at)bluewin.ch

© Christian Bärtschi / Bärtschi-Texte