Messermacher Kurt Brechbühl

Zu Besuch beim Messermacher

In Kirchberg stellt der als Mechaniker tätige Kurt Brechbühler mehrheitlich in Handarbeit Messer her. Seit er 2006 in Solothurn bei der Messerschmiede Künzi einen Kurs belegt hat, begeistert er sich immer mehr für dieses Hobby. Seine Werkstatt im Garten, die frühere Garage, bietet dem Handwerker das ideale Umfeld, um immer perfektere Messer herzustellen. Besonders gerne verwendet er Damaststahl, der nach einem Bad in Schwefel- oder Salzsäure eine attraktive Zeichnung der Klinge hervorbringt.

Fertiges Messer mit Klinge aus Damaststahl und Griff aus Mammut-Elfenbein.

 

Der Blick in die Vitrine im Wohnhaus zeigt, dass Kurt Brechbühler nicht nur selbst gerne Messer herstellt, sondern diese auch sammelt. «Es ist interessant zu sehen, wie andere Handwerker gewisse Probleme lösen oder welche Materialien sie verwenden», sagt Brechbühler. Aus diesem Grund besucht er auch immer wieder Messen, um sich Ideen zu holen. Mittlerweile ist sein Hobby in seinem privaten Umfeld so bekannt, dass Kollegen und Freunde ihm auch mal aus den Ferien ein besonders schönes Holzstück mitbringen, damit er daraus einen Messergriff formen kann.

Stahl ist nicht gleich Stahl
Als Mechaniker hat Brechbühler täglich mit Stahl zu tun. Dass er sich mit dessen Bearbeitung gut auskennt, ist auch für sein Hobby vorteilhaft. Bei der Herstellung seiner Messer kann er mittlerweile auf gewisse Erfahrungswerte zurückgreifen, viele Dinge sind aber auch von der verwendeten Stahlart abhängig. So gibt es bereits unter dem Obergriff Damast-Stahl diverse Sorten, die sich unter anderem durch ihre Zeichnung unterscheiden: «Ich verwende beispielsweise Damasteel Odin, Damasteel Twist oder Damasteel Vinland», erzählt der Messermacher. Damaststahl besteht aus zwei verschieden Stahlsorten, die geschmiedet wurden. Brechbühler bestellt fertige Stahlplatten und bringt diese danach mit der Handsäge, der Feile und einer Schleifmaschine in die gewünschte Form, inklusive der Schneide. Danach geht die Klinge auswärts in die Härterei und wird dann von Brechbühler nochmals  poliert und, falls es sich um Damaststahl handelt, im Säurebad behandelt. Die Messergriffe stellt er aus Horn, Knochen oder Holz her. «Für dieses Messer habe ich Mammut-Elfenbein* verwendet, hier kam Büffelhorn zum Einsatz und das ist seltenes Schlangenholz», erzählt der Messermacher begeistert. Aus den Reststücken des Stahls und des Griffmaterials stellt er gebrauchsfähige Miniatur-Messer, Schmuck-Anhänger und Fingerringe her.

Zu schön für den Wettbewerb
Für einen sogenannten Cutting-Wettbewerb, an welchem verschiedene Gegenstände mit einem Messer auf Zeit durchgeschnitten werden müssen, hat Brechbühler einst ein besonders grosses, schweres Messer, ein Bowie-Messer, hergestellt. «Schliesslich hat mir das neue Messer aber so gut gefallen, dass ich es doch nicht zum Durchschneiden von gefüllten PET-Flaschen und Seilen verwenden wollte», erinnert sich der Handwerker und lacht. So kam das Bowie-Messer in die Vitrine und für die Wettbewerbe muss weiterhin ein altgedientes Messer dienen. Grundsätzlich würde sich der Messermacher aber von fast all seinen Messern trennen. «Unverkäuflich sind nur mein allererstes Werk und das erste Messer, das ich selbst geschmiedet habe», erklärt Brechbühler. Jedes Messer ist übrigens ein Unikat.

Kein Mangel an neuen Projekten
Seit Kurzem widmet sich Kurt Brechbühler auch der Herstellung von Klappmessern. Eins mit Horngriff und einer provisorischen Kartonklinge wartet in der Werkstatt auf seine Vollendung. Bereits in Arbeit ist auch ein Klappmesser mit einem sogenannten Slip Joint-Verschluss, der die Klinge durch die Kraft einer Rückenfeder stabil in der Position hält. Logischerweise ist die Herstellung von Klappmessern aufwändiger als diejenige von feststehenden Messern. Auch in diesem Bereich reizt den Messermacher vor allem der Umgang mit den verschiedenen Materialien und die Herausforderung, diese in ein stimmiges und funktionierendes Ganzes – das fertige Messer – zu verwandeln. Bereits schmiedet der Mechaniker wieder neue Pläne: Er möchte seine Werkstatt so ausbauen, dass er selber Klingen schmieden kann. So hätte er die Möglichkeit, seine Messer von A bis Z selbst herzustellen.

* Da Mammut-Elfenbein fossil ist, ist für den Erwerb keine Zertifizierung (CITES) nötig.

 

 

© Christian Bärtschi / Bärtschi-Texte

 

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